Das Labyrinth auf Kreta – Ein Zeichen der Zeit  
  Kretische Münze Labyrinthplätze mit sieben Umgängen vom Typ des so genannt Kretischen haben sich bereits etabliert.
Mehr und mehr Städte und Gemeinden fühlen sich dazu angeregt, einen Labyrinthplatz in ihrer Mitte zu gestalten.
Die deutschsprachigen Internetseiten:  
www.begehbare-labyrinthe.de
www.das-labyrinth.at
www.labyrinth-international.org
sind  gut besuchte Medien mit großem Informationsgehalt.
Es gibt verschiedene Formen und Materialien, Labyrinthplätze zu gestalten und der bei der Einweihung des Zürcher Gartenlabyrinths im Jahre 1991 geäußerte Wunsch der Initiatorinnen nach öffentlichen Labyrinthplätzen, die so selbstverständlich sein sollen wie Schwimmbäder und Fussballplätze in den Gemeinden, hat sich innerhalb weniger Jahre sehr schnell erfüllt.

 
 
Kinder spielen im Labyrinth
 
 
Auch bei Ausführungen des siebengängigen Labyrinths gibt es unterschiedliche Formen.Der Form des Kretischen bin ich bei meinen Forschungen auf den Grund gegangen. Die auf den oben gezeigten Fotos abgebildete Form des Labyrinths mit zwei Eingängen hat sich, meiner Meinung nach, als der Ursprung des kretischen Labyrinths herausgestellt.
Hierbei handelt es sich um ein siebengängiges Labyrinth, das sich aus einer einzigen Mondbahn und einer einzigen Sonnenbahn spiralförmig zusammenfügt und demzufolge ein symbolisches Zeichen für die Zeit im Laufe der Sonnen- und Mondjahre darstellt. Sieben Labyrinthpfade verlaufen zwischen drei Sonnenbögen und vier Mondbögen. Bei den drei Sonnenbögen handelt es sich, von innen nach außen betrachtet, um die Zeiten der Wintersonnenwende, der Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst und um die Sommersonnenwende. Bei den vier Mondbögen handelt es sich, von innen nach außen und im Wechsel mit den Sonnenbögen betrachtet, um den Dunkelmond (Seelenfest), die zunehmende Mondsichel (Lichterfest), den Vollmond (Walpurgis) und um die abnehmende Mondsichel (Erntefest). Sonnenwenden und Mondphasen finden in dieser Form des Labyrinths ihren realen und symbolischen Ausdruck und sind, vom geozentrischen Standpunkt aus betrachtet, mit dem Auf- und Absteigen beider Gestirne identisch, so, wie wir ihre Bewegung von der Erde aus wahrnehmen können.  

An den Enden der sieben Mond- und Sonnenbögen ergeben sich auf der Mittellinie des Halbkreises vierzehn Eckpunkte, die den Durchlauf eines Zweijahreszyklus’ anzeigen, wenn sie, in der üblichen Form eines siebengängigen Labyrinths, miteinander verbunden werden. Unterhalb der Mitte entsteht eine kleine bogenförmige Ausbuchtung und die entspricht, meiner Forschung nach, dem Standpunkt der Beobachter des kosmischen Geschehen. Dies Labyrinth kann von zwei Seiten gleichzeitig durchschritten oder in zwei Reigen gleichzeitig durchtanzt werden. Die Begegnungen finden auf dem höchsten Punkt, zwischen den Bögen der abnehmenden Mondsichel und der Sommersonnenwende statt.  
Meiner Meinung nach handelt es sich bei diesem Labyrinthtyp um einen zweijährigen Mond- und Sonnenkalender, der den vierten Teil der achtjährigen Umlaufbahn der Venus darstellt. Diese Form des kretischen Labyrinths ist als ein Zeichen der Zeit des “Großen Jahres” zu verstehen, welches in der Hochkultur Kretas als wiederkehrendes acht- bis neunjähriges Ereignis im Zyklus der Venus mit großem Zeremoniell gestaltet und in Form von miteinander verschlungenen Tänzen gleichzeitig durch vier Labyrinthe gefeiert wurde. Die kretischen Zeremonien werden bis heute in der Legende über den getöteten Minotauros tradiert und gelten als Ursprung des klassischen Labyrinths, das aus diesem Anlass noch immer als das Kretische bezeichnet wird, was ja an sich richtig ist, nur falsch in der Interpretation. Bei der Legende zu diesem Labyrinth handelt es sich wohl um eine griechisch patriarchale Interpretation der kretischen Zeremonien, die von den Griechen, die die Insel nach der Zerstörung durch das Erdbeben bevölkerten, nicht verstanden und deshalb als Irrwege interpretiert wurden.
 
 
T”nzerinnen in Kreta
 
 
T”nzerinnen in Kreta

Die großen kretischen Zeremonien im Zeichen der Zeit von Venus, Mond und Sonne sind in den Palastanlagen von Knossos zum Teil als Fresken erhalten geblieben. Sie sind für mich ein Zeugnis höchster Kultur und Schönheit.
 
 
Die Form des Labyrinths mit sieben Mond- und Sonnenbahnen, das ich in meiner Forschung über alte Zeitberechnungen und Kalendersysteme entdeckte oder, besser gesagt, enträtselte, konnte ich bisher in zwei Labyrinthanlagen realisieren
 
 
 
 
 
 

Das kleine Gartenlabyrinths von 12 m Durchmesser wurde unter meiner Anleitung im Juni 2005 von etwa 250 Kindern erbaut, in enger Zusammenarbeit mit der Kreisjugendbeauftragten Gisela Schleidt mit ihren Team vom Kreisjugendamt Lörrach. Dies Gartenlabyrinth folgt in seiner Idee zur sozialen und kulturellen Vernetzung durch Patenschaften dem Gartenlabyrinth von Zürich. Es stellt mit seinen 60 Gärtchen, die von den Kindern selbst eingerichtet wurden und weiterhin von ihnen erhalten und gepflegt werden, eine wunderbare interkulturelle und intergenerationale Labyrinthanlage dar.  
Der Entwicklungsprozess ist unter: www.jugendagenturen.de mit dem Hinweis auf Zell im Wiesental und dem Kinderspielplatz Grönland unter “aktuell” im Bautagebuch einzusehen.
 
 
In Kiel, Schleswig-Holstein, wird ein Labyrinth in dieser Form als große Rasenlabyrinth Anlage von ca. 22 m Durchmesser gebaut, deren innerer Bereich und die vier inneren Labyrinthpfade rollstuhlgängig sind (es gibt einen besonderen Eingang). Das Labyrinth in Kiel wird unter dem Titel “Labyrinth – Wege aus der Gewaltspirale” unter meiner Projektleitung vom 23.8.2005 bis zur Eröffnung am 19.9.2005 im Werftpark von Kiel-Gaarden unter der Leitung des Grünflächenamtes erbaut. In der Mitte wird ein großer Findling aus rotem Granit in den Boden eingelassen. Er wiegt ca. 9 Tonnen und soll ein Mahnmal unter dem Titel “Nein in Stein” sein, das von den Kieler Frauenprojekten initiiert wurde.

Das Kieler Labyrinth ist also gleichzeitig eine Gedenkstätte, ein Mahnmal, das an die Frauen und Mädchen erinnern soll, die Opfer von Gewalthandlungen geworden sind. Dies Mahnmal für Frauen ist das Einzige der BRD.

Auftraggeberin für das Projekt ist die Landeshauptstadt Kiel unter der Schirmträgerschaft der Oberbürgermeisterin Volquartz, Initiatorin ist das Referat für Frauen, unter der Leitung von Annegret Bergmann.
 
 
 
 

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© Text und Fotos: Rafaela Schmakowski
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